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Nesselsucht: Alle Auslöser auf einen Blick

Ebenso vielfältig wie die verschiedenen Formen der Nesselsucht sind die Auslöser der Krankheit. Es gibt äußere Faktoren wie Druck, Kälte und Licht, bei den Unterformen der physikalischen Urtikaria aber auch körpereigene Auslöser wie Autoreaktivität, Entzündungsprozesse und Stress. Hier finden Sie eine alphabetisch sortierte Übersicht der wichtigsten Nesselsucht-Auslöser.

Anstrengung

Körperliche Anstrengung kann eine Nesselsucht auslösen. Zum einen durch eine Erhöhung der Körpertemperatur bei der cholinergischen Urtikaria, zum anderen beim anstrengungsinduzierten allergischen Schock (anstrengungsinduzierte Anaphylaxie). Bei letzterer Form führt der Verzehr eines Allergens, vor allem Weizen, in Kombination mit körperlicher Anstrengung zu einem allergischen Schock, bei dem auch Quaddeln auftreten können.1

Autoreaktivität

Bei der autoreaktiven Urtikaria, einer Unterform der chronischen spontanen Urtikaria, werden die Symptome durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems ausgelöst, das plötzlich auf körpereigene Stoffe reagiert. Durch den sogenannten autologen Serumtest lässt sich diese Form der Nesselsucht nachweisen.2

Druck

Länger anhaltender Druck auf ein bestimmtes Hautareal ist der auslösende Reiz bei der Druckurtikaria. Das Tragen einer schweren Sporttasche sowie langes Stehen oder Sitzen auf einem harten Untergrund können beispielsweise die tiefliegenden Schwellungen hervorrufen.3

Histaminintoleranz

Bei der Histaminintoleranz wird durch die Nahrung aufgenommenes Histamin nur unzureichend abgebaut. Häufig ist ein Mangel am Enzym Diaminoxidase (DAO) die Ursache für den ungenügenden Abbau im Dünndarm. Histamin aus Nahrungsmitteln kann die Nesselsuchtsymptome auslösen und verstärken.4

Infekte

Akute Infekte sind eine der häufigeren Ursachen für die akute Urtikaria. Chronische Infekte hingegen können für die Symptome der chronischen spontanen Urtikaria verantwortlich sein. Auslöser für eine Infekturtikaria sind beispielsweise Magenschleimhautentzündungen durch Helicobacter pylori sowie wiederkehrende Entzündungen der Nebenhöhlen, Mandeln und Zahnwurzeln.5

Kälte

Bei der Kälteurtikaria werden die Nesselsucht-Symptome durch Berühren kalter Gegenstände, Laufen auf kalten Fliesen oder kalte Außentemperaturen im Winter ausgelöst. Kalt ist hierbei allerdings relativ, die individuelle Schwellentemperatur kann sehr unterschiedlich sein. Auch Temperaturen über 20 Grad können bei einigen Menschen diese Form der Urtikaria auslösen, was die Lebensqualität der Betroffenen sehr einschränkt.6

Licht

Quaddeln, Rötungen und Juckreiz entstehen bei der Lichturtikaria nach Einwirkung von Licht auf die Haut. Sowohl Sonnenlicht als auch Kunstlicht kann die Symptome hervorrufen, als Auslöser können die sichtbaren Anteile des Lichts wie auch die unsichtbaren UV-Strahlen wirken. Auf welchen Teil des Lichtspektrums die Betroffenen reagieren, ist sehr unterschiedlich.7

Medikamente

Ein häufiger Auslöser der Nesselsucht sind Medikamente wie zum Beispiel Schmerzmittel, ACE-Hemmer (Blutdrucksenker) und Antibiotika. Nach Absetzen der Medikamente in Absprache mit dem behandelnden Arzt verschwinden Quaddeln und Juckreiz meist rasch von selbst.5

Nahrungsmittelzusatzstoffe

Farbstoffe, Aromastoffe und Konservierungsmittel können Auslöser für eine Urtikaria sein. Da die Zahl der erlaubten Zusatzstoffe sehr groß ist, kann es hilfreich sein, bei Auftreten von Nesselsucht-Symptomen ein Ernährungstagebuch zu führen, um den möglichen spezifischen Auslösern auf die Spur zu kommen.8

Organische Ursachen

Auch organische Ursachen wie eine Nebennierenschwäche, bei der der Körper zu wenig Cortisol produziert, oder eine Schilddrüsenüberfunktion können für die Nesselsucht verantwortlich sein.

Pseudoallergien

Unter Pseudoallergien versteht man Unverträglichkeitsreaktionen, die einer Allergie sehr ähneln, ohne dass die typische immunologische Reaktion nachgewiesen werden kann. Solche Reaktionen gibt es beispielsweise auf Nahrungsmittel. Da sich diese Reaktionen nicht im Labor nachweisen lassen, gelingt der Nachweis nur durch eine mehrwöchige Auslassdiät mit anschließender Provokation durch erneuten Verzehr der verdächtigen Nahrungsmittel.9

Reibung

Die Urtikaria factitia wird durch Reiben oder Kratzen auf der Haut hervorgerufen. Diese Unterform der physikalischen Urtikaria kann jederzeit durch Kratzen oder „Schreiben“ mit einem stumpfen Gegenstand auf der Haut ausgelöst werden. Aus diesem Grund wird die Erkrankung auch urtikarieller Dermographismus genannt.10

Stress

Stress kommt als Auslöser bei einer stressinduzierten chronischen Urtikaria infrage. Aber auch die cholinergische Urtikaria kann durch Stress ausgelöst werden, wenn es stressbedingt zu einer Erhöhung der Körpertemperatur kommt.1

Versteckte Entzündungsherde (Foci)

Der chronischen spontanen Urtikaria können versteckte Entzündungsherde zugrunde liegen. Häufig verursachen diese Entzündungen keine Symptome am Ort der Entzündung, können aber die Urtikaria-Symptome auslösen. Solche Herde finden sich beispielsweise in den Nasennebenhöhlen, an Zahnwurzeln, an den Mandeln und im Darm. Das Aufspüren dieser Herde ist häufig schwierig, da sie eben keine lokalen Symptome hervorrufen.11

Vibration

Vibration, etwa durch Arbeiten mit einem Presslufthammer oder durch Rasenmähen, kann tiefliegende Schwellungen hervorrufen. Die Vibrationsurtikaria geht nicht immer mit Quaddelbildung einher – die Angioödeme hingegen sind charakteristisch für diese Form der Urtikaria.12

Wärme

Wärme ist der auslösende Faktor bei der cholinergischen Urtikaria, die aus diesem Grund auch Wärmeurtikaria genannt wird. Ob die Wärme passiv von außen einwirkt oder durch körperliche Belastung hervorgerufen wird, spielt keine Rolle.1

Quellen:
1 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Urtikaria cholinergische; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=4176 Zugriff am 26.10.2016
2 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Urtikaria autoreaktive; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=14881 Zugriff am 26.10.2016
3 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Urtikaria Druckurtikaria; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=1039 Zugriff am 26.10.2016
4 Website des IMD Labor Berlin-Potsdam: http://www.imd-berlin.de/spezielle-kompetenzen/nahrungsmittelunvertraeglichkeiten/histaminintoleranz.html Zugriff am 26.10.2016
5 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Urtikaria akute; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=4172 Zugriff am 26.10.2016
6 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Kälteurtikaria; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=2007 Zugriff am 26.10.2016
7 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Lichturtikaria; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=2361 Zugriff am 26.10.2016
8 Website Urticaiaday.org; Frank Siebenhaar: Akute spontane Urtikaria. http://urticariaday.org/urticaria-day-2016/uber-urtikaria/3-formen-der-urtikaria/ Zugriff am 26.10.2016
9 Website des Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V.; Urtikaria und Ernährung. http://www.daab.de/haut/urtikaria-und-ernaehrung/ Zugriff am 26.10.2016
10 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Urticaria factitia; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=4157 Zugriff am 26.10.2016
11 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Urtikaria chronische; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=4177 Zugriff am 26.10.2016
12 Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin – Urtica; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=4787 Zugriff am 26.10.2016