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Nesselsucht brennt, juckt und quält

Nesselsucht – Wenn die Haut brennt, juckt und quält

Unansehnliche Quaddeln, brennender Juckreiz, gerötete Haut: Nesselsucht (Urtikaria) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen der Welt. Oft verschwindet der Ausschlag schnell wieder, doch Millionen Betroffene leiden jahrelang. Die gute Nachricht: Hilfe ist möglich – darüber klärt der Welt-Urtikaria-Tag seit 2014 auf. Hoffnungen weckt zudem eine zusätzliche Therapie.

Nesselsucht – was ist das eigentlich?

Was ist Nesselsucht?

Nesselsucht oder Urtikaria, wie der medizinische Fachbegriff lautet, ist eine weltweit verbreitete Hautkrankheit. Jeder vierte Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erkrankt nach Schätzungen der Fachleute mindestens einmal im Leben an Nesselsucht. Allein an der besonders schwerwiegenden chronischen Nesselsucht leiden in Deutschland rund 800.000 Menschen.

Zwar ist ihr Name weniger geläufig, die mitunter quälenden Symptome der Nesselsucht, die grundsätzlich jeden treffen können, sind es hingegen schon: Plötzlich bilden sich auf der Haut Rötungen, kurze Zeit später folgen blassrote bis leuchtendrote Erhebungen.

Diese sogenannten Quaddeln können klein sein wie ein Stecknadelkopf oder groß wie eine Handfläche – und lösen einen quälenden Juckreiz aus. Unter den Quaddeln sammelt sich Flüssigkeit an. Die Haut spannt sich und brennt mitunter wie Feuer.

Der Name Urtikaria leitet sich von den vergleichbaren Beschwerden beim Hautkontakt mit einer Brennnessel (lat. Urtica) ab. Die Symptome jedoch können ohne erkennbaren Auslöser spontan auftreten. Bei den meisten Betroffenen verschwindet der Hautausschlag nach wenigen Tagen plötzlich wieder. Aber bei vielen tritt die Nesselsucht jahrelang immer wieder auf, was das gesamte Leben negativ beeinflussen kann.

Nesselsucht stigmatisiert

Der unerträgliche Juckreiz hat Folgen: Fast alle Menschen, die an Nesselsucht leiden, klagen über ein andauerndes Verlangen, sich zu kratzen. Tagsüber können Sie sich schlecht konzentrieren, nachts plagt sie Schlaflosigkeit.

Zusätzlich treten bei zwei von drei Betroffenen tiefe Schwellungen auf, sogenannte Angioödeme, die sehr unansehnlich, unangenehm und teilweise sogar gefährlich sein können.

Die Angioödeme können an allen Körperregionen entstehen und lassen die Haut stark anschwellen: im Gesicht, an Kopf, Hals, Armen, Händen oder Füßen. Schwellen Augenlid oder Lippe an, wollen viele Patienten nicht mehr aus dem Haus gehen.1

Die Hautkrankheit stigmatisiert

Die Symptome der Hautkrankheit führen zu einer Stigmatisierung: Wer an sichtbaren Körperpartien unter Nesselsucht leidet, hat oft das Gefühl, dass sich Mitmenschen von den Rötungen, Quaddeln und Schwellungen abgestoßen fühlen.

Nesselsucht führt in die soziale Isolation

Die Nesselsucht schränkt Betroffene in ihren privaten und beruflichen Aktivitäten ein. Häufig geraten sie in die soziale Isolation, sie ziehen sich zurück. Es treten Depressionen, Ängste und weitere psychische Begleiterkrankungen auf, die mitunter sogar zu Suizidgedanken führen.1

Psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen

Hunderttausenden Menschen in Deutschland macht diese Hautkrankheit das Leben schwer. Und nur bei rund einem Drittel der Patienten kann geklärt werden, was genau die Beschwerden verursacht. Auslöser der Hautausschläge können Reizstoffe in Medikamenten oder Lebensmitteln sein, aber auch Umwelteinflüsse wie Kälte, Sonnenlicht, Wasser, Hitze und körperliche Aktivitäten.

Doch bei zwei von drei Patienten mit chronischer Nesselsucht lässt sich keine eindeutige Ursache ausmachen. Diese Form wird von Medizinern als chronische spontane Urtikaria bezeichnet.2

Hoffnung durch neue Nesselsucht-Therapie und Welt-Urtikaria-Tag

Wer mehrere Monate oder Jahre an ständigem, kaum erträglichem Juckreiz, an Quaddelbildung und Schwellungen leidet, fühlt sich der Erkrankung oft hilflos ausgeliefert.

Deshalb unternimmt die medizinische und pharmazeutische Forschung große Anstrengungen, um neue Behandlungsansätze zu entwickeln. Ein erster Erfolg bildet eine zusätzliche Therapie, die Hautärzte all jenen Patienten verschreiben, denen die Behandlung mit oralen Antihistaminika bislang gar nicht oder nur unzureichend geholfen hat. Diese weitere Behandlungsmöglichkeit macht Betroffenen neue Hoffnung, ihre Leiden endlich lindern zu können und ihre Krankheit in den Griff zu bekommen.

Welt-Urtikaria-Tag und neue Therapie-Optionen

Einen weiteren Erfolg für Patienten, Angehörige, Ärzte und Forscher bildet der Welt-Urtikaria-Tag, der 2014 erstmals zelebriert worden ist und endlich eine größere Öffentlichkeit für diese qualvolle und verbreitete Hauterkrankung herstellt. Der erste Welt-Urtikaria-Tag informierte mit Vorträgen, Diskussionen und andere Aktionen über das Krankheitsbild – und stieß weltweit auf Resonanz.

Der Welt-Urtikaria-Tag soll künftig für einen wichtigen Austausch zwischen Dermatologen, Patienten und deren Angehörigen sorgen.

Quellen:
1 Maurer M, Weller K, Bindslev-Jensen C, et al. Unmet clinical needs in chronic spontaneous urticaria: A GA(2)LEN task force report. Allergy 2011;66:317–330.
2 Internetseite der ECARF – Europäische Stiftung für Allergieforschung. http://www.ecarf.org. Zugriff am 10. April 2014