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Autoreaktive Urtikaria –
Abwehrreaktion gegen den eigenen Körper

  • Die autoreaktive Urtikaria ist eine chronische Nesselsucht-Form und verläuft oft besonders schwer. Sie wird durch eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegen körpereigene Substanzen ausgelöst.
  • Der Arzt kann die autoreaktive Urtikaria mit dem sogenannten autologen Serumtest nachweisen. Die Therapie versucht, die Symptome mit Antihistaminika zu lindern. Helfen sie nicht, kann der Arzt je nach Krankheitsbild ein anderes Medikament verschreiben.

Bei der autoreaktiven Urtikaria handelt es sich um eine chronische Form der Nesselsucht, die mit monate- oder gar jahrelangen Hautausschlägen einhergeht. Die Ursache von Quaddeln und Juckreiz liegt dann im betroffenen Menschen selbst: Substanzen im Blut lösen eine Abwehrreaktion des Körpers aus. Ein Serumtest beim Hautarzt weist die autoreaktive Urtikaria schnell und sicher nach.

Quaddeln, starker Juckreiz, mitunter heftige Hautschwellungen: Die Symptome der chronischen Nesselsucht gehen oft auf eine Reaktion auf unverträgliche Medikamente, Lebensmittelzusatzstoffe oder physikalische Reize wie Druck, Kälte, Wärme oder Licht zurück.

Es kann sich aber auch um eine autoreaktive Urtikaria handeln: Der Nesselausschlag wird bei dieser Unterform der chronischen spontanen Nesselsucht durch eine Abwehrreaktion des Körpers gegen körpereigene Substanzen ausgelöst. Die Beschwerden bei einer autoreaktiven Urtikaria sind häufig besonders stark ausgeprägt und halten länger an als bei anderen chronischen Verläufen.1

Abwehrreaktion gegen den eigenen Körper

Was genau löst die autoreaktive Urtikaria aus?

Mastzelle rufen autoreaktive Urtikaria hervor

Die autoreaktive Urtikaria beginnt im Blut der Betroffenen: Dort aktivieren bestimmte Substanzen die Mastzellen und rufen so eine Abwehrreaktion des Immunsystems hervor.

Bei diesen Substanzen handelt es sich demnach um Autoantikörper. Nach Stand der Forschung scheinen sich die Autoantikörper bei einigen Patienten gegen den IgE-Rezeptor FcERI oder gegen Immunglobulin E zu richten.2

Serumtest beim Arzt erhärtet Verdacht auf autoreaktive Urtikaria

Serumtest beim Arzt

Wenn der Hautarzt keine Auslöser oder Reize finden kann, die die Nesselsucht-Symptome hervorrufen, könnte es sich um eine autoreaktive Urtikaria handeln. Besteht dieser Verdacht, führt der Hautarzt unter Umständen den sogenannten autologen Serumtest (ASST) durch.

Aus dem entnommenen Blut des Patienten wird dabei ein Serum gewonnen, das anschließend mit seiner Haut am Unterarm in Kontakt gebracht wird. Treten nach rund 30 Minuten Quaddeln auf, wird die Testreaktion als positiv gewertet – und eine autoreaktive Urtikaria diagnostiziert.

Bei etwa einem Drittel aller Patienten mit chronischer Nesselsucht fällt der Serumtest für die autoreaktive Urtikaria positiv aus.2

Laut der medizinischen Forschung reagieren bei dem Test allerdings auch Patienten, bei denen keine Autoantikörper nachweisbar sind. Deshalb wird vermutet, dass weitere, bislang noch unbekannte körpereigene Substanzen eine autoreaktive Urtikaria auslösen können.2

Ist die autoreaktive Urtikaria gefährlich?

Im Vergleich mit anderen Patienten, die an anderen Formen der chronischen Nesselsucht leiden, weisen Patienten mit autoreaktiver Urtikaria oft besonders stark ausgeprägte Hautsymptome auf, die über einen längeren Zeitraum anhalten. Sie neigen zudem häufiger zu Schwellungen tieferer Hautschichten (Angioödeme).

Eine Therapie, die die autoreaktive Urtikaria heilen kann, existiert bislang nicht. Eine Behandlung mit Medikamenten führt in der Regel dazu, dass die Hautkrankheit gut kontrolliert werden kann. Allerdings müssen Wirkstoffe wie Antihistaminika bei der autoreaktiven Urtikaria meist höher dosiert werden als bei der nicht-autoreaktiven Nesselsucht.2

Atemnot durch Angioödeme im Hals

Quellen:
1 Patientenleitlinie Urtikaria des Global Allergy and Asthma European Network (GA2LEN). http://urticariaday.org/uber-urtikaria/patientenleitlinie-urtikaria/. Zugriff am 31. Mai 2017
2 Maurer M, Metz M, Magerl M, Siebenhaar F, Staubach P: Autoreactive urticaria and autoimmune urticaria. Hautarzt 2004; 55: 350–6. Download: PDF.