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Nesselsucht-Schübe – Wenn das Leben außer Kontrolle gerät

  • Nesselsucht-Schübe treten oftmals spontan auf, weshalb der Krankheitsverlauf für viele Betroffene unberechenbar ist und ihren Lebensalltag stark einschränkt. Warum die Nesselsucht-Schübe vorwiegend nachts auftreten, ist noch ungeklärt.
  • Wer aufgrund einer Nesselsucht unter ständigen Schlafstörungen oder psychischen Belastungen leidet, sollte sich ärztlichen Rat holen.

Nesselsucht-Schübe treten oft spontan und unkontrolliert auf – und beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen immens. Der Hautarzt hilft dabei, den Krankheitsverlauf richtig einzuschätzen. Therapietreue und eine positive Lebenshaltung erleichtern den Alltag.

Juckreiz belastet Patienten besonders stark

Für Patienten mit chronischer spontaner Nesselsucht sind Schübe der Erkrankung kaum vorherzusehen. Die Unberechenbarkeit des Krankheitsverlaufs schränkt die Lebensqualität erheblich ein: Wer das Krankheitsgeschehen nicht einschätzen kann, kann auch seinen Alltag nicht darauf einstellen.1

Untersuchungen haben gezeigt, dass Hauterkrankungen, die mit starkem Juckreiz einhergehen, Patienten besonders stark belasten. Unter ihnen nimmt die Nesselsucht (Urtikaria) einen der vordersten Plätze ein.1

Oft kommen die Nesselsucht-Schübe in der Nacht

Häufig treten die Nesselsucht-Schübe aus noch ungeklärten Gründen vorwiegend nachts auf. Die geminderte Schlafqualität verursacht Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen. Geht die Urtikaria mit der Entstehung von Angioödemen einher, ist in lebensbedrohlichen Fällen eine schnelle Notfallversorgung unverzichtbar.

Die Symptome greifen tief in den Lebensalltag der Patienten ein. Unerwartete Ausfälle in Beruf, Studium und Schule sind die Folge. Betroffene entwickeln bei chronischen Krankheitsverläufen häufig auch psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen. Mitunter geraten sie in die soziale Isolation, weil sie aufgrund der extrem juckenden und unansehnlichen Hautausschläge nicht mehr das Haus verlassen wollen.

Nesselsucht-Schübe in der Nacht

Einerseits sind die anhaltenden, qualvollen Beschwerden eine kaum erträgliche Belastung der betroffenen Menschen, andererseits verursachen sie einen hohen sozioökonomischen Schaden. Allein in Deutschland leiden rund 800.000 Menschen an chronischer Nesselsucht.1

Chronische Nesselsucht: Schübe und Krankheitsverlauf werden protokolliert

Dokumentation des Krankheitsverlaufs

Die genaue Beobachtung des Krankheitsverlaufs gehört zu einer wirkungsvollen Behandlung der Nesselsucht. Die Schübe und das Krankheitsgeschehen werden durch die retrospektive Betrachtung der Symptomentwicklung erfasst und anhand von standardisierten Punkte-Bewertungssystemen analysiert.

Diese sogenannten Scoring-Verfahren setzen voraus, dass der Patient über einen festgelegten Zeitraum den Verlauf der Erkrankung dokumentiert und den Status kalendarisch in einem Protokoll erfasst.2

Behandlung der Nesselsucht: Schübe behandeln und Symptomen vorbeugen

Die Beobachtung der Krankheitsaktivität über längere Zeiträume ist ein Anhaltspunkt für die effektive Behandlung, wenn bei chronischer Nesselsucht die Schübe schwer vorhersehbar sind.

Die ärztliche Empfehlung lautet, verordnete Antihistaminika durchgehend, auch in beschwerdefreien Zeiten einzunehmen. Denn es ist wichtig, Antihistaminika prophylaktisch und nicht nur bei Bedarf anzuwenden. Nach wie vor nehmen viele Patienten mit chronischer Urtikaria ihre Antihistaminika nur dann ein, wenn Beschwerden auftreten. Dies ist aber zur Vorbeugung der Symptome unwirksam.2

Patienten, die bei chronischer Nesselsucht unter Schüben mit der Entstehung von Angioödemen leiden, müssen jederzeit ihre Notfallmedikation mitführen, um schwerwiegenden Komplikationen vorbeugen zu können.

Positive Lebenseinstellung wichtig

Für Betroffene ist eine positive Lebenseinstellung trotz möglicher Einschränkungen durch die Krankheit entscheidend. Die medizinischen Möglichkeiten und die Therapietreue des Patienten tragen wesentlich dazu bei, dass ein normales gesellschaftliches Leben erhalten bleibt.2

Quellen:
1 Karsten Weller: Lebensqualität, Versorgungssituation und Therapieansprechen von Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria. Habilitationsschrift am Charité Centrum 12 für Innere Medizin und Dermatologie Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, September 2012.
2 Marcus Maurer: Urtikaria, Angioödem, in: Allergo Update 2014, Handbuch Allergologie 2014. URL: http://marcus-maurer.com/fileadmin/documents/publications/books/24_Maurer_Urt_AE_in_AllergoUpdate2014.pdf. Zugriff am 31. Mai 2017.