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Wenn Wärme und Kälte Nesselsucht auslösen

  • Physikalische Reize wie Wärme und Kälte können Nesselsucht hervorrufen. Da der Körper ständig schwankenden Temperaturen ausgesetzt ist, leiden Betroffene meist unter der chronischen Verlaufsform.
  • Von der Kälte-Urtikaria sind Schätzungen zufolge zwischen fünf und 33 Prozent aller Patienten mit einer chronischen induzierbaren Nesselsucht betroffen.

Nesselsucht bei Kälte und Wärme wird durch einen Temperaturreiz der Haut ausgelöst. Der Krankheitsverlauf ist meist chronisch und die Aufklärung über auslösende Reize und ihre Wirkung ein wichtiger Teil der Therapie. Ziel ist die Vermeidung gefährlicher Krankheitsverläufe – und die Linderung von Rötungen, Quaddeln und starkem Juckreiz.

Chronische induzierbare Nesselsucht: Kälte und Wärme als Auslöser

Kälte und Wärme gehören zu den Umweltfaktoren, die das Krankheitsbild einer physikalischen Urtikaria hervorrufen können. Da Temperaturschwankungen durch das Wetter oder die Körpertemperatur für den Menschen unumgänglich sind und regelmäßig auftreten, leiden Betroffene meist unter einem chronischen Krankheitsverlauf.

Nach Schätzungen leiden zwischen fünf und 33 Prozent aller Patienten mit einer chronischen induzierbaren Nesselsucht an einer Kältekontakturtikaria. Die Symptome einer Nesselsucht durch Kälte zeigen sich überwiegend im dritten Lebensjahrzehnt. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.1

Mann in Winter-Bekleidung friert

Diagnose der Nesselsucht durch Kälte

Juckreiz durch kalte Luft

Bei einer Nesselsucht durch Kälte entwickelt sich das Krankheitsbild nach Kontakt mit kalter Luft, kalten Flüssigkeiten oder kalten Gegenständen. Der Reiz ist unterhalb einer Temperaturschwelle wirksam, die von Patient zu Patient verschieden ist.2

Mit modernen Diagnosegeräten ist es möglich zu testen, ob eine Kältekontakturtikaria vorliegt. Parallel dazu bestimmt der behandelnde Arzt, bei welcher individuellen Temperaturschwelle der Kältereiz den Nesselausschlag verursacht.

Liegt eine Nesselsucht durch Kälte vor, unterscheidet der Arzt verschiedene Formen der Erkrankung:1

  • Charakteristisch für die Kältekontakturtikaria sind lokale Ausschläge, die sich im Kältesimulationstest reproduzieren lassen.
  • Die erworbene Kälteurtikaria zeigt ihre Symptome unter anderem bei Kontakt mit feuchter kalter Luft oder bei Anstrengung in kalter Umgebung.
  • Familiäre Formen kälteinduzierter Urtikaria sind genetisch bedingt. Das sogenannte familiäre kälteinduzierte autoinflammatorische Syndrom (FCAS) verursacht einen großflächigen Ausschlag und wird von Symptomen wie Bindehautentzündung, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen begleitet.

Behandlung der Nesselsucht durch Kälte

Die meisten Patienten berichten bei einer Nesselsucht durch Kälte von unangenehmen, aber harmlosen Beschwerden, die sich auf die Haut beschränken.

In einigen Fällen entsteht bei ausgiebiger Kälteeinwirkung jedoch eine großflächige Urtikaria mit schweren allgemeinen Symptomen. Ein solches Krankheitsbild können Betroffene beispielsweise beim Baden in kalten Gewässern entwickeln.1

Eine Kältekontakturtikaria nimmt lebensbedrohliche Formen an, wenn Schleimhautschwellungen im Hals- und Rachenraum nach dem Genuss von kalten Speisen und Getränken auftreten.2

Eiskalte Temperaturen als Auslöser

Ein wichtiger Aspekt der Therapie ist das Vermeiden von Kältereizen. Ist dies nicht möglich, werden die Symptome medikamentös mit Antihistaminika gelindert.

Nesselsucht durch Wärme

Sport kann Nesselsucht auslösen

Ähnlich wie Kälte kann auch Wärme Symptome der Urtikaria induzieren. Die lokalisierte Hitze-Urtikaria ist eine seltene Form der physikalischen Nesselsucht.

Wärmeabhängige Beschwerden entstehen auch im Rahmen der cholinergischen Urtikaria. Der Ausschlag zeigt sich, wenn die Körpertemperatur durch Hitze, Anstrengung, heißes Essen oder ein heißes Bad steigt.3

Die Therapie konzentriert sich auf die Vermeidung auslösender Reize und die Linderung der Symptome.

Quellen:
1 Adrian Spohr: Experimenteller Nachweis der Symptomreduktion bei Patienten mit Kältekontakturtikaria durch Dosissteigerung von Bilastin. Dissertation an der Medizinischen Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin am 22 Juni 2014. Download: http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000015259/diss_a.spohr.pdf. Zugriff am 4. Mai 2015.
2 Internetseite des UNEV - urticaria network e.V.: Kälteurtikaria. URL: http://www.urtikaria.net/de/formen-der-urtikaria/physikalische-urtikaria/kaelteurtikaria.html. Zugriff am 4. Juli 2016.
3 Frank Ahrens: Physikalische Urtikaria. In: Pädiatrische Allergologie. 16 1/2013. Download: https://www.gpau.de/fileadmin/user_upload/GPA/dateien_indiziert/Sonstiges/Paed._Allergologie_1-13_Physikalische_Urtikaria.pdf. Zugriff am 4. Mai 2015.