Sie sind hier

Urticaria factitia – Wenn sich nach dem Kratzen Quaddeln bilden

  • Urticaria factitia ist die verbreitetste Form der physikalischen Urtikaria und wird durch Kratzen, Reiben oder Scheuern der Haut ausgelöst, etwa bei zu eng sitzender Kleidung.
  • Eine Ursache für die juckenden Quaddeln bei Urticaria factitia kann meist nicht gefunden werden. Die Behandlung beschränkt sich in der Regel auf das konsequente Meiden von mechanischen Reizen auf der Haut.

Urticaria factitia bedeutet so viel wie „gemachte Urticaria“: Ein Kratzen der Haut genügt, um juckende Quaddeln hervorzurufen. Vor allem junge Erwachsene sind betroffen – und Frauen häufiger als Männer.

Urticaria factitia ist die häufigste Form der physikalischen Urtikaria

Die Urticaria factitia bezeichnet eine Hautreaktion, bei der juckende Quaddeln als unmittelbare Folge von Kratzen, Reiben oder Scheuern auftreten. Sie ist die häufigste Unterform der sogenannten physikalischen Urtikaria, die durch äußere physikalische Reize (wie Druck, Licht, Kälte, Wärme oder Wasser) ausgelöst wird.1

Wenn es auf der Haut zu einer mechanischen Einwirkung kommt, etwa durch scheuernde Kleidungsstücke, leiden die Betroffenen an diesen Stellen nach kurzer Zeit unter den typischen Nesselsucht-Symptomen.

Der Namenszusatz factitia leitet sich vom lateinischen Wort facere ab, was machen bedeutet. Deshalb lässt sich Urticaria factitia mit „gemachte Urtikaria“ übersetzen. Die Quaddeln entstehen nicht spontan, sondern stets durch mechanische Reize auf der Haut.

Die folgenden Bezeichnungen für Urticaria factitia sind ebenfalls verbreitet:

  • symptomatischer Dermographismus (leitet sich ab von den griechischen Wörtern „derma“ für Haut und „gráphein“ für Schreiben)
  • urtikarieller Dermographismus
  • dermographische Urticaria
  • Schreibhaut-Urtikaria (Hautschrift-Urtikaria)

Diagnose: Der Arzt provoziert die Urticaria factitia

Der Hautarzt diagnostiziert die Urticaria factitia durch einen sogenannten Provokationstest. Dabei kratzt er mit einem stumpfen Holzspatel oder speziellen Stift (Dermographometer) mit festen Strichen über die Haut am Rücken oder Unterarm, um die genaue Reizschwelle zu ermitteln.2

Zeigen sich daraufhin streifenförmige Quaddeln, liegt eine Urticaria factitia vor. Wobei die Hautreaktionen unterschiedlich ausfallen können. Der Arzt unterscheidet sie je nach Latenzzeit, Dauer der sichtbaren Symptome und Juckreiz.

Meist reagiert die Haut ein bis fünf Minuten nach der Provokation für eine Dauer von einer knappen halben Stunde. Es gibt allerdings auch selten vorkommende Intermediär- und Spättypen, bei denen die Hautreaktionen deutlich verzögert auftreten, dann aber bis zu zwei Tage lang anhalten können. Beim cholinergischen urtikariellen Dermographismus hingegen treten die Quaddeln nicht strichartig, sondern punktförmig auf.3

Behandlung: Auslöser meiden und Medikamente einnehmen

Wie bei nahezu allen Nesselsucht-Formen gilt auch bei der Urticaria factitia: Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich, vielmehr steht die Vermeidung der Auslöser im Fokus der Therapie: Auf eng anliegende, kratzige oder scheuernde Kleidungsstücke sollten Betroffene verzichten.

Bei schweren Verläufen werden Medikamente verschrieben, um das Auftreten der unangenehmen Symptome zu verhindern. Meist kommen Antihistaminika der zweiten Generation zum Einsatz.

Häufigkeit und Dauer der Urticaria factitia

Laut Fachliteratur beträgt die Häufigkeit der Urticaria factitia in der Gesamtbevölkerung bis zu fünf Prozent. Wenn bereits eine andere Form der Nesselsucht vorliegt, steigt das Risiko an einer Urticaria facticia zu erkranken: Bei bis zu 50 Prozent der Patienten mit chronischer Urtikaria treten zumindest zeitweise auch Symptome einer Urticaria factitia auf.

Junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sind besonders häufig betroffen. Der Anteil der Frauen fällt dabei etwas höher aus als der Anteil der Männer.1

Wie andere Nesselsucht-Formen heilt die Urticaria factitia von allein ab: Die Erkrankungsdauer beträgt meist zwei bis fünf Jahre, kann im Einzelfall aber auch deutlich kürzer oder länger ausfallen.

Quellen:
1 Internetseite des UNEV – urticaria network e. V.: Was ist eine Urticaria factitia? URL: http://www.urtikaria.net/de/formen-der-urtikaria/physikalische-urtikaria/urticaria-factitia.html. Zugriff am 26. November 2015.
2 Marcus Maurer: Urtikaria behandeln wird immer einfacher. URL: http://www.medical-tribune.de/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/urtikaria-behandeln-wird-immer-einfacher.html. Zugriff am 26. November 2015.
3 Internetseite der Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin: Urticaria factitia. URL: http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=4157. Zugriff am 26. November 2015.