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Die induzierbare Urtikaria – was steckt dahinter?

  • Die induzierbare Urtikaria bezeichnet eine Nesselsucht-Form, für die eindeutige Auslöser identifiziert werden können – zum Beispiel Nahrungsmittelintoleranzen, körperliche Anstrengungen, Infektionen, autoreaktive Prozesse sowie physikalische Reize wie Licht und Reibung.
  • Werden die Auslöser ermittelt, kann die induzierbare Urtikaria gut therapiert werden. Eine wichtige Rolle bei der Diagnose spielt das Urtikaria-Tagebuch, in dem der Patient seine Beschwerden und Lebensgewohnheiten dokumentiert.

Die induzierbare Urtikaria wird durch äußere Reize ausgelöst. Es kann Druck durch enge Kleidung sein, aber auch Wärme, Licht und bestimmte Substanzen in Lebensmitteln und Medikamenten. Bei Betroffenen ist die Reizschwelle der Haut herabgesetzt, weshalb sie mit einem Nesselausschlag reagiert.

Bei rund zwei Dritteln aller Nesselsucht-Patienten lassen sich keine konkreten Auslöser der Hautkrankheit ermitteln – sie leiden an der sogenannten spontanen Urtikaria1. Anders liegt der Fall bei der induzierbaren Urtikaria: Sie wird eindeutig durch physikalische Reize ausgelöst. Je nach Betroffenem gehören dazu Licht, zu hohe und tiefe Temperaturen oder Druck, etwa durch engsitzende Kleidung oder Taschen, die geschultert werden.

Auslöser der induzierbaren Urtikaria

Folgende Nesselsucht-Formen werden der induzierbaren Urtikaria zugerechnet2 :

  • Cholinergische oder anstrengungsinduzierte Urtikaria – wird durch Wärme und körperliche Anstrengungen ausgelöst.
  • Histaminintoleranz-Urtikaria oder Kontakt-Urtikaria – als allergische Reaktion auf bestimmte Substanzen in Lebensmitteln und Medikamenten.
  • Physikalische Urtikaria – wird durch Reize wie Licht, Wärme, Kälte, Wasser und Druck auf die Haut verursacht.
  • Stressinduzierte Urtikaria, die durch psychische Belastungen entsteht oder bestehende Nesselsucht-Beschwerden verschlimmert.
  • Aquagene Urtikaria – diese seltene Form der Nesselsucht wird durch den Kontakt mit Wasser ausgelöst.

Induzierbare Urtikaria und gefährliche Symptome

Bei der induzierbaren Urtikaria treten die klassischen Nesselsucht-Symptome auf: Rötungen der Haut, Juckreiz und die Bildung von Quaddeln. In erster Linie ist die Urtikaria vor allem unangenehm. Sie schränkt die Lebensqualität ein, verunsichert die Betroffenen und zwingt sie, sich intensiv mit der Erkrankung zu befassen.

Manche Betroffene leiden auch an tiefen Hautschwellungen. Diese sogenannten Angioödeme können – sofern sie im Hals entstehen – bedrohliche Ausmaße annehmen.

Zu solch einem Notfall kann es kommen, wenn die Schwellung an den Schleimhäuten auftritt. Schwillt der Rachenraum zu, wird die Urtikaria im Einzelfall mitunter lebensgefährlich, da sie dann die Atmung beeinträchtigen kann.

Haut-Schwellungen mitunter lebensgefährlich

Alltagsdinge können bei induzierbarer Urtikaria qualvoll sein

Behandlungsziel heißt Beschwerdefreiheit

Ein heißes Bad, ein Spaziergang bei frostigen Temperaturen, das eng anliegende Kleid oder strahlender Sonnenschein – alles Dinge, die ein gesunder Mensch als völlig harmlos wahrnimmt. Für Urtikaria-Patienten können sie jedoch Auslöser eines quälenden Nesselsucht-Schubs sein, sofern die jeweilige Erkrankungsform (etwa eine Kälte-, Druck- oder Licht-Urtikaria) vorliegt.

Die Symptome sind aber nicht bei allen Formen gleich. So kommt es bei der Druck-Urtikaria nicht immer zur Quaddelbildung. Bei dieser seltenen Form der Nesselsucht kommt es einige Stunden nach der Druckeinwirkung zu tiefliegenden Hautschwellungen (Angioödemen), die, wenn sie im Gelenkbereich auftreten, auch schmerzhaft sein können.

Die Anzeichen helfen dem Arzt bei der Diagnose, weshalb es wichtig ist, dass die Patienten ihm ihre Selbstbeobachtungen mitteilen. Treten Quaddeln auf, hilft dem Arzt auch der Hinweis auf die Dauer der Symptome. Sinnvoll ist deshalb das Führen eines Tagebuchs (entweder aus Papier oder als NesselApp für Android-Geräte sowie iPhones und iPads).

In einigen Fällen kann dann eine Biopsie den Verdacht erhärten, um welche Form der Urtikaria es sich handelt. Mit jeder zusätzlichen Antwort wird es einfacher, die passende Therapie zu entwickeln. Das Ziel der Behandlung ist immer, dass der Patient beschwerdefrei wird.

Quellen:
1 Internetseite der ECARF – Europäische Stiftung für Allergieforschung. http://www.ecarf.org/info-portal/erkrankungen/urtikaria/. Zugriff am 31. Mai 2017.
2 Internetseite des urticaria network e.V. http://www.urtikaria.net/de/formen-der-urtikaria/ueberblick.html.. Zugriff am 31. Mai 2017.